Lohnt sich ein Balkonkraftwerk?
Ja, für die meisten Haushalte rechnet sich ein Balkonkraftwerk – allerdings nicht über die Einspeisung, sondern über den Eigenverbrauch. Wer eine Anlage für 400 bis 600 Euro kauft und den erzeugten Strom überwiegend selbst nutzt, liegt bei einer Amortisationszeit von etwa vier bis sieben Jahren. Entscheidend sind drei Dinge: die Ausrichtung, der Verbrauch tagsüber und der Preis der Anlage. Was dagegen kaum eine Rolle spielt, ist die Einspeisevergütung.
Warum sich die Rechnung über den Eigenverbrauch entscheidet
Der wirtschaftliche Kern eines Balkonkraftwerks ist schnell erklärt: Jede Kilowattstunde, die Sie selbst verbrauchen, ersetzt eine Kilowattstunde, die Sie sonst für rund 35 Cent beim Versorger gekauft hätten. Jede Kilowattstunde, die Sie stattdessen ins Netz abgeben, wird mit derzeit 7,78 Cent vergütet – also mit weniger als einem Viertel. Der Selbstverbrauch ist damit gut viermal so viel wert wie die Einspeisung.
Daraus folgt eine für viele überraschende Empfehlung: Es lohnt sich in aller Regel nicht, die Einspeisevergütung überhaupt zu beantragen. Dafür wäre eine Anmeldung beim Netzbetreiber und meist ein Zweirichtungszähler nötig, und die jährlichen Einnahmen liegen typischerweise nur zwischen 30 und 65 Euro. Der bürokratische und technische Aufwand steht dazu in keinem Verhältnis. Die überwiegende Mehrheit der Betreiber speist den Überschuss unentgeltlich ein und optimiert stattdessen den Eigenverbrauch.
Was ein Balkonkraftwerk kostet und was es liefert
Komplette Sets mit zwei Modulen und Wechselrichter beginnen bei etwa 300 Euro, gute Konfigurationen liegen bei 400 bis 600 Euro. Ein solches System mit rund 800 Watt Einspeiseleistung erzeugt in Deutschland je nach Standort und Ausrichtung etwa 600 bis 900 Kilowattstunden im Jahr.
Wie viel davon Sie tatsächlich selbst nutzen, hängt stark von Ihrem Tagesrhythmus ab. Ein Zweipersonenhaushalt, in dem tagsüber niemand zu Hause ist, verbraucht meist 50 bis 60 Prozent des erzeugten Stroms direkt – über Kühlschrank, Router, Standby-Verbraucher und Geräte, die ohnehin laufen. Wer im Homeoffice arbeitet oder Waschmaschine und Spülmaschine gezielt mittags laufen lässt, kommt auf 70 Prozent und mehr.
Ein konkretes Rechenbeispiel
Nehmen wir eine Anlage für 500 Euro mit 800 Watt Wechselrichterleistung und südlicher Ausrichtung. Sie erzeugt etwa 750 Kilowattstunden im Jahr. Bei einem Eigenverbrauchsanteil von 65 Prozent nutzen Sie davon rund 490 Kilowattstunden selbst. Bei einem Strompreis von 35 Cent sparen Sie damit etwa 170 Euro pro Jahr. Die Anlage hat sich nach knapp drei Jahren bezahlt gemacht und liefert danach zwanzig Jahre und länger kostenlosen Strom.
Fällt der Eigenverbrauch niedriger aus, etwa 40 Prozent bei einem Haushalt, der werktags komplett außer Haus ist, sinkt die Ersparnis auf rund 105 Euro und die Amortisationszeit steigt auf knapp fünf Jahre. Selbst dann bleibt die Rechnung deutlich positiv. Ungünstig wird es erst bei stark verschatteten oder nach Norden gerichteten Standorten.
Welche Regeln 2026 gelten
Die rechtlichen Hürden sind in den vergangenen Jahren weitgehend abgebaut worden. Erlaubt ist eine Wechselrichterleistung von maximal 800 Voltampere bei einer installierten Modulleistung von bis zu 2.000 Watt Peak. Dass die Module mehr leisten dürfen als der Wechselrichter abgibt, ist beabsichtigt: So liefert die Anlage auch bei bedecktem Himmel und in den Morgen- und Abendstunden noch brauchbare Erträge, statt nur in der Mittagsspitze.
Anzumelden ist die Anlage nur noch im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur, was wenige Minuten dauert. Eine gesonderte Anmeldung beim Netzbetreiber ist für den reinen Eigenverbrauch nicht mehr erforderlich. Beim Anschluss gilt seit der Produktnorm DIN VDE V 0126-95 eine wichtige Unterscheidung: Bis zu einer Modulleistung von 960 Watt Peak ist der normale Schuko-Stecker zulässig, darüber ist eine spezielle Energiesteckvorrichtung vorgesehen, meist ein Wieland-Stecker.
Wichtig ist außerdem, dass sich die Grenzen auf die Wohneinheit beziehen, nicht auf das einzelne Gerät. Zwei kleine Anlagen, die zusammen mehr als 800 Voltampere einspeisen, fallen nicht mehr unter die vereinfachten Regeln.
Wann sich ein Speicher lohnt und wann nicht
Speicher für Balkonkraftwerke werden stark beworben, weil sie den Eigenverbrauch rechnerisch auf 80 bis 90 Prozent heben können. Wirtschaftlich ist die Sache dennoch selten: Ein Speicher kostet häufig so viel wie die gesamte Anlage oder mehr, hebt die jährliche Ersparnis aber nur um vielleicht 50 bis 70 Euro. Damit verlängert sich die Amortisation eher, als dass sie sich verkürzt.
Sinnvoll wird ein Speicher vor allem dann, wenn Sie ohnehin einen hohen Abendverbrauch haben, die Anlage großzügig dimensioniert ist und der Speicherpreis deutlich unter dem üblichen Niveau liegt. Als Faustregel gilt: Erst den Eigenverbrauch durch Verschieben von Waschmaschine, Spülmaschine oder Warmwasserbereitung optimieren, das kostet nichts. Über einen Speicher nachdenken kann man danach immer noch.
Was Mieterinnen und Mieter beachten sollten
Die Rechtslage hat sich zugunsten von Mietern verschoben. Steckersolargeräte gehören inzwischen zu den privilegierten baulichen Veränderungen, die Vermieter und Eigentümergemeinschaften nicht ohne sachlichen Grund verweigern können. Das bedeutet nicht, dass Sie einfach loslegen sollten: Über die konkrete Art der Befestigung und das äußere Erscheinungsbild darf weiterhin mitgeredet werden.
In der Praxis führt eine frühzeitige, sachliche Information mit Angabe des Montagesystems fast immer zum Ziel. Bei einem Umzug nehmen Sie die Anlage einfach mit, melden sie am alten Standort im Marktstammdatenregister ab und am neuen wieder an. Ein kurzer Hinweis an die Hausratversicherung ist sinnvoll, in der Regel ohne Mehrkosten.